Älteste - Großeltern: welche Rolle spielen sie in deinem Leben?

 

 

Das Bild der Ältesten in unseren Breitengraden ist oftmals ein verworrenes, zumindest nicht Klares. Bei meiner Fortbildung im Friedenstifterkurs der Wildnisschule NAWISHO vor einigen Jahren, blieb etwas hängen, das mich bis heute nicht loslässt und eine meiner Visionen ist.

 

Was, wenn sich Älteste und Jugendliche zusammen tun? Was, wenn diese beiden Generationen sich austauschen, einander stärken, einerseits von der Erfahrung her und andererseits von der jugendlichen Kraft...

 

Schon als 6jährige wollte ich Oma sein. Eine Großmutter, die Geschichten zu erzählen hat, Kinderaugen zum Leuchten bringt und sich am Gelächter erfreut. Eine Großmutter, die offene Ohren für alle hat, bei der man Rat sucht... naja, so romantisch, wie ich mir das dann vorstellte, sollte es nicht werden, ABER ich bleib dran...

 

Zurück zum Friedenstifterkurs: Dort wurde mir verbildlicht, wie wichtig Jugendliche und Älteste in einer Gemeinschaft sein können. Welch wichtige Aufgaben sie tragen und haben und wenn sie sich dieser bewusst sind, unterstützt werden hinein zu wachsen, dann macht das unseren Kreis schon viel runder.

 

Seien wir uns ehrlich: Welchen Stellenwert haben Jugendliche und Älteste in unserem Umfeld? Welchen Wert gibst du selbst Jugendlichen und Ältesten? Welche Glaubenssätze haben wir diesen beiden gegenüber und welche Qualitäten siehst du in diesen Generationen?

 

Bei einigen Camps durfte ich sehen, wie gut es Ältesten tut, wenn sie einen Platz in der Gemeinschaft erhalten. Und naja, ich denke, das tut uns schließlich allen gut. Genauso war es auch bei den Jugendlichen, aber das wird dann ein eigener Blogeintrag.

Wenn Älteste respektvoll als lebenserfahrene Menschen von uns angesehen werden, sie uns den Respekt erweisen und die Aufgabe übernehmen, uns bei der Hand zu nehmen und uns zu begleiten, wie fühlte sich das in einem ganzheitlich gesellschaftlich betrachteten Kontext an?

 

Ein Beispiel: Wir haben Älteste, die wissen, was ihre Aufgabe und wo ihr Platz in der Gemeinschaft ist. Sie teilen liebevoll und klar ihre Erfahrungen. Sie beobachten unsere Kinder, sehen uns als Eltern und Erwachsene und haben ein offenes Ohr für unsere Geschichten. Sie hören zu und sind geübt darin, die Essenz aus ihrem eigenen Leben und deinem Erzählten zu finden und dir vielleicht mit einer Frage weiter zu helfen, deine ganz persönliche Antwort zu finden. Durch Beobachtung sehen sie, wie die Kinder der Gemeinschaft tun und begleiten auch diese ein Stück weit, nehmen sie an der Hand und helfen, dieses junge Pflänzchen zum Wachsen zu bringen. Älteste in meinem Umfeld haben diese ganz eigene, für mich zu bewundernde Qualität: Es ist ihnen mittlerweile großteils egal, was andere über sie sagen. Sie haben oft weniger Ängste oder andere Ängste, als jene, mit welchen wir uns herum schlagen. Sie sind im besten Fall schon durch viele Erfahrungen gegangen und können uns den Wind aus den Segeln nehmen, sind langsamer, bremsen uns ein.

 

Ich hatte das Glück in meiner Jugend, eine Stieftante gehabt zu haben, die ich besuchen durfte und die auf mich bereits mit auf dem Ofen erwärmten Semmeln und Butter wartete, um meinen Geschichten zu lauschen und sie erfreute sich einfach meiner Gesellschaft, meines Vertrauens. Sie fühlte sich gebraucht und wichtig und ich war ihr unendlich dankbar, dass sie mir einfach nur zuhörte. Oft relativierten sich da meine jugendlichen Dramen und ich durfte erfahren, dass diese, meine Geschichten auch bei ihr blieben und niemals an andere Ohren drangen. Ich fühlte mich gehalten.

 

Ein weiterer Ältester begleitet mich bereits seit Jahren und es werden immer mehr. Vielleicht fragst du dich auch, wie Älteste denn ihre Rollen einnehmen sollen, wenn da keine Vorbilder sind? Auch hier habe ich ein vielleicht romantisches, aber für mich sehr realistisches Bild vor Augen. Kannst du dir vorstellen, dass wir uns daran erinnern? Also im Sinne von üben. Einfach tun und dran bleiben?! Wieviele von uns wurden beispielsweise Eltern und hatten vielleicht kaum bis keine Unterstützung im Elternsein? Trotzdem geben sie ihr Bestes und für wen? Für ihre Kinder und vielleicht sogar für die Generationen, die nach ihnen kommen, die wir vielleicht gar nicht mehr kennen lernen, uns aber so eine Kraft geben, einfach zu tun, weil es uns wichtig ist.

 

Was denkst du? Wie würde sich ein/e Älteste/r in deinem Umfeld fühlen? Und was würde das bewirken? Ein romantisches Bild?

Oder ist das umsetzbar? Wie kannst du das umsetzen?

 

 

Einen großen Dank an meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern..., die den Boden gesät haben, auf dem ich heute gehen darf.

 

Für die Lehren, aus denen ich heute lernen und neue Wege beschreiten darf.